Der Beginn

Nachdem im Mai 2014 die vorläufige Baugenehmigung erteilt worden war, begannen am 02.06.2014 die Abbrucharbeiten. Zunächst ging es darum, das Grundstück von Unrat und Wildwuchs zu befreien. Danach war das Mauerwerk im Hof abzubrechen und aus diesem sowie erstem Abbruchmaterial aus dem Haus eine Rampe zu bauen, so dass der Innenhof mit schwerem Gerät befahren werden konnte. Ohne diese Rampe wäre ein effektives Arbeiten nicht möglich gewesen. Besonders deutlich wurde dies durch den Einsatz eines Krans bei der Neueindeckung des Daches, selbstverständlich mit denkmalgerechten Biberschwanzziegeln der Art „rotbunt“. Wichtig war die Sicherung der Grundmauern im Bereich der Frauenstraße sowie die Sanierung der Giebelwand, welche durch den Abbruch des Hauses Frauenstraße 16 zur Außenwand geworden war. Im Erdgeschoss waren die Verkleidungen von den Wänden zu entfernen, welche die Wände nicht atmen ließen. Von Decke und Wänden war der weitgehend verschlissene Putz zu entfernen. Geplant war selbstverständlich die durchgreifende Sanierung der Fassade, insbesondere die Verpressung der zahlreichen Risse. Geplant war die Sicherung, Erhaltung und Aufarbeitung einer Vielzahl von historisch bedeutsamer und schützenswerter Details. Dann kamen die ersten „Überraschungen“: - Beim Abbruch des Daches zeigte sich, dass die beiden Giebelwände stark geschädigt waren. Es mussten Mauerwerksauswechslungen vorgenommen werden. Die nachfolgenden Putz- und Malerarbeiten gestalteten sich dadurch schwierig. - Im Bereich des Dachstuhls hatte es offensichtlich mehrere Brände gegeben. Sparren waren stark verkohlt und mussten gewechselt werden. Es gab Stellen, an denen die Balken lediglich mit Bauklammern zusammengehalten wurden. Um den zügigen Fortgang der Dacheindeckung nicht zu gefährden, half der Bauherr bei den Zimmererarbeiten selber mit. - Der ganze Bereich des Kniestockes war eine einzige Müllhalde. Generationen von Dachdeckern hatten den Bauschutt einfach auf diese Weise entsorgt. - Besonders schlimm war der Zustand der Gauben. Ursprünglich war geplant, die Fenster zu wechseln, das Dach der Gauben zu erneuern und die Gaubenwände sachgerecht zu dämmen. Dieses Vorhaben erwies sich als undurchführbar. Die Gauben mussten vollständig abgebrochen werden. Die seitlichen Sparren und die Fußpfetten mussten erneuert werden. So wurden die Gauben vollständig neu aufgebaut. Die handwerkliche Geschicklichkeit der Dachdecker und Zimmerleute der Dachdeckerfirma Axel Lehnert machte dies möglich. - Beim Abbruch von Schornsteinen stellte sich heraus, dass Balken schwer geschädigt waren. Die Balkenköpfe waren durch Schwelbrände verkohlt, die Zwischendecken hingen in der Luft.

Probleme ohne Ende

Bis dahin schienen die Schwierigkeiten noch überschaubar. Das änderte sich, als die Sanierung der Kappendecken zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss in Angriff genommen wurde. Es war klar, dass an den Stellen, an denen die Kappendecken nicht mehr die notwendige Spannung hatten, die darüber befindliche Schüttung ausgebaut werden musste. Dann musste die Decke geöffnet werden, anschließend war sie fachgerecht neu aufzubauen. Beim Abschlagen des Putzes an der Decke im Erdgeschoss zeigte sich jedoch ein bedeutend umfangreicheres Schadbild als zunächst angenommen. Dazu hatten einerseits die Besitzer in den vergangenen Jahrhunderten beigetragen: Die Wände im 1. und 2. Obergeschoss standen nicht über den Mauern und Unterzügen des Erdgeschoss, sondern einfach längs der Kappendecken. Es waren Fachwerkwände mit Ziegelausmauerungen. Die Fachwerkkonstruktion hat die Wände ursprünglich getragen, so dass deren Last nicht auf den Kappen aufsaß. Aber dann kam man auf die Idee, alle möglichen Veränderungen vorzunehmen. Die schlimmsten waren Türen durch diese Wände. Die Last wurde nun nicht mehr nach der Seite abgetragen. Die Fußpfetten der Wände brachen, die Last fiel auf die Kappen, welche irreparable Risse bekamen. Einige Ziegel hielt nur noch der Putz an der Decke. Es gab noch eine weitere Ursache für diese Schäden. Das waren unsachgemäß vorgenommene Installationen. Mitten durch die Kappendecke hatten Elektriker – wahrscheinlich vor mehr als 100 Jahren - einen Schlitz von ca. 3 cm Tiefe gehackt, um eine Leitung dort unter Putz zu verlegen. Längs dieser ganzen Leitung war die Kappe gebrochen. Es blieb nichts anderes übrig, als einen Großteil der Wände im 1. und 2. Obergeschoss ganz oder teilweise zurück zu bauen. Ganz, wenn die Pfetten in beiden Geschossen gebrochen waren, teilweise, wenn es „nur“ notwendig war, die Last aus der Wand zu nehmen, die Gefache also von den Ziegeln zu befreien. Anschließend wurde ein Teil der Kappendecken zurückgebaut. Dazu musste zunächst die Lehmschüttung über der Kappe entfernt werden. Nach Rückbau der Kappe und des Gurtes wurde die Decke von unten eingeschalt, Kappe und Gurt neu aufgemauert und die Schüttung wieder eingebracht. Von vornherein war klar, dass ein Niveauausgleich im Bereich der Fußböden stattfinden musste. Auch das erwies sich als entschieden umfangreicher als geplant. Im ersten Obergeschoss lag die Dielung auf Lagerhölzern, welche wiederum in Lehmschüttung lagen. Setzungserscheinungen im Untergrund, unsachgemäß vorgenommene Umbauten, der Aufbau von Öfen unterschiedlichen Kalibers, hatten dazu geführt, dass sich Kavernen gebildet hatten. Also muss die Schüttung entsprechend des zukünftigen Niveaus neu ausgeglichen werden. Noch schwieriger zeigte sich die Situation im 2. Obergeschoss. In einzelnen Räumen waren Niveauunterschiede von der Tür zum Fenster von 17 cm zu verzeichnen. Ein Aufdoppeln der Balken war nicht möglich. Die Lehmschüttung lag nicht auf einem Einschub, sondern auf einer Schalung. Also musste zunächst die gesamte Schüttung entfernt werden, danach war ein „Einschub“ zu bauen, dieser bestand aber aus einer Kombination von Einschub, einer Schalung auf den Balken und einer Schalung auf einer Aufdopplung. Auf den danach aufgebrachten Rieselschutz war wieder die Schüttung aufzubringen und zunächst grob zu nivellieren. Selbstverständlich wird dieser Neuaufbau im Wesentlichen mit den Hölzern durchgeführt, welche bei Rückbau ausgebaut wurden. Beim Ausbau der alten Türen zeigte sich, dass die Zargen die Wände und Bögen zusammenhielten. Also mussten alle Türöffnungen grundlegend überarbeitet werden. In einigen Fällen wurden aus statischen Gründen diese Öffnungen verschlossen, was Planänderungen zur Folge hatte, bei den übrigen Türen mussten Anschläge und Stürze neu aufgemauert werden. Ähnliche Probleme zeigten sich bei den Stürzen über den Fenstern. Nachdem, ebenfalls wegen notwendiger Niveauanpassungen, auch im Dachgeschoss die Dielung entfernt worden war, bot sich uns eigentlich ein katastrophales Bild. Auch in diesem Bereich war der Raum unter den Balken mit Bauschutt verfüllt. Besonders „gewöhnungsbedürftig“ war jedoch der Anblick, wie die Auflager der Balken hergestellt waren. Kunterbunte Mischungen aus Ziegeln, Dachsteinen, Hölzern waren relativ lose untergelegt. Die Dielung hielt das alles zusammen. Von der Straße aus macht das Gebäude bereits einen sehr guten Eindruck. Das liegt nicht zuletzt an den neuen Fenstern, ob in den Gauben, im 1. oder 2. Obergeschoss oder auch zunehmend bei den Schaufenstern im Erdgeschoss. Dabei bereiteten die Fenster in den beiden Obergeschossen ebenfalls sehr große Probleme. Die Fenstergewände sind aus Sandstein. Diese kann man nicht in ihrer Position verändern. Sie stehen jedoch nicht im Lot, werde frontal noch seitlich. So blieb nichts anderes übrig, als die Fenster innen hinter die Gewände zu setzen und in aufwändiger Kleinarbeit die Zwischenräume mit Streifen von Gasbeton auszusetzen, die entstehende Fuge mit Sandsteinmörtel zu verputzen.

Der Sachstand

Natürlich macht es Freude, den Erker oder das Portal über der Einfahrt zu betrachten, welche behutsam restauriert wurden. Gleiches trifft für die Natursteinbänder zu, welche die Fassade horizontal strukturieren. Der nördliche Giebel, an welchem sich vormals die Häuser Frauenstraße 16 und 18 anschlossen, bietet, teilweise neu aufgemauert, verputzt und gestrichen, ein beeindruckendes Bild. Noch bleibt vieles zu tun: Von der Haustechnik existiert derzeit nur die „Grobinstallation“, diese besteht aus den Grundleitungen Elektrik, Heizung und Sanitär. Längs der Frauenstraße wurde der Unterbeton eingebracht. Putz- und Trockenbauarbeiten, Fußboden- und Fliesenarbeiten, Maler- und Tapezierarbeiten stehen noch vollständig aus. Daneben sind Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen. Am Ende stehen die Restaurierung denkmalgeschützter Bauteile und deren Einbau.

Der Plan

Ursprünglich war geplant, den Bau bis zum Dezember 2015 abzuschließen. Dieses ehrgeizige Ziel ist wegen der vielen unvorhersehbaren Schwierigkeiten nicht zu halten. Zum Ende 2016 soll die Sanierung einschließlich Außenbereich jedoch abgeschlossen sein. Schließlich wollen sich die Bauherren, die zu diesem Zeitpunkt beide über 70 sein werden, noch lange an der Schönheit dieses Objektes erfreuen. Schade, dass die neuen Mieter, falls einige aus den alten Bundesländern kommen, nicht über eine durchgängige B 178n anreisen können.
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